Rumänien 2011

Ausgangsbasis unserer Reise war ein Angebot von Adventure-Offroad:

Unberührtes Bergland

Die Zeit scheint stehen geblieben – mehr Pferdekarren als Autos auf Straßen, die keine sind – Landarbeit, zum Teil noch in typischer Tracht auf nur handtuch-großen Feldern. Was uns bezaubert, ist die harte Arbeit und der Broterwerb eines uns zumeist sehr freundlich begegnenden Volkes. Nach einer bequemen Transitanreise von ca. 1100km, entspannt auf zwei Tage verteilt, über die CZ, die Slowakei (Zwischenübernachtung) und Ungarn erreicht unsere kleine Gruppe von 4-8 Fahrzeugen etwa Sonntagabend die Grenze zu Rumänien. Alsbald verlassen wir die Hauptverbindungswege und verstehen, warum auf der Offroad-Tour normale Pkw keine Chance hätten, unbeschadet unsere Ziele zu erreichen. Selbst wir, müssen irgendwann unsere serienmäßigen Fahrzeuge stehen lassen (Gurt, MT Reifen, GPS von Vorteil), und gehen nach Karte bzw. GPS die letzten Meter zu Fuß, um z. B. eine traumhafte Tropfsteinhöhle zu besichtigen, auf schwierigen Pfaden ewigen Schnee und einen vereisten Wasserfall unter südlicher Hitze Rumäniens zu finden oder unter gigantischen Felsentoren hindurch Dolinen zu erklimmen. Wir werden Schluchten und Aussichtspunkte erfahren und erlaufen- und nicht alles wird sauber und trockenen Rades oder Fußes zu erreichen sein. Manchmal braucht man gute Nerven und ein Sicherungsseil. Dennoch ist diese Tour für jedermann geeignet, denn man hilft sich im Team. Und entschädigt durch genau diese einmaligen Erlebnisse, Eindrücke und Natur pur, werden wir an unvergesslich schönen, überwiegend freien, romantischen Campingplätzen unser allabendliches Lagerfeuer entzünden und gemütlich zusammen sitzen. Nach zwei wildromantischen Tagen verlassen wir die Westkarpaten und übernachten gemeinsam in unseren eigenen Schlafsäcken in einer sehr einfachen familiären Unterkunft mit Dusch- und Verpflegungsmöglichkeit. Nun haben wir auf einer Onroad-Etappe in die Ostkarpaten die Qual der Wahl und werden gemeinsam entscheiden, ob wir einen Kunstschatz der Bukowina – das Kloster Voronet – besichtigen, in dessen Nähe ein herrliches Camp an einem Flussbett (alias Tagliamento) auf uns wartet, und wir über Bicazsee und Bicazklamm mit Offroadausflügen den Lac St. Ana (einen Kratersee und nahe liegendes Hochmoor) erreichen (dieses Camp ist so schön, dass es hin und wieder auch von Bären besucht wird). Oder man möchte über Brasov und das sehenswerte (Dracula) Schloss Bran, außerdem den tiefsten Brunnen Europas anzufahren, der „Musik im Gleichmaß“ einer Ölförderpumpe lauschen und auf einem Offroadabenteuer noch tätige Schlammvulkane erleben sowie von Hand Erdgasquellen entzünden. Von hier aus erreichen wir auf unserer Rückfahrt je nach Wunsch der Reisenden eine unterirdische Saline nicht gekannten Ausmaßes und eine berühmte Schlucht (Suche eines Geocache) einbauen (Tag in 2 Gruppen möglich). Übrigens erfolgt die Versorgung mit Kraftstoff und Verpflegung (wie die gesamte Reise) zu Preisen, die wir in Deutschland schon vergessen haben. Auch die sonstigen Kosten sind minimal.

So liest man das und weiß doch noch nicht genau was einen bei so einer ersten Offroad-Tour wirklich erwartet.

Planmäßig sollte eigentlich die Reise am 16.04.2011 8:00Uhr früh in Gera mit ein paar Fahrzeugen beginnen. Da aber alle, wie auch wir irgendwie einen anderen Zeitplan hatten, war der erste gemeinsame Treffpunkt kurz hinter der ungarischen Grenze. So blieb mir morgens noch Zeit unseren Defender mit den benötigten Utensilien voll auszustatten und wir starteten am besagten Tag kurz nach Mittag zu unserem Abenteuer. „Und wir fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn“ in einem Ritt über Dresden, Prag, Brno, Bratislava nach Mosonmagyaróvár. 21:00 Uhr haben wir als die letzten Ankömmlinge für diesen Tag den Campingplatz erreicht. Wir hatten eine Liste aller Reisemitglieder vorab per mail bekommen und nun sollten wir uns persönlich kennen lernen. Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut noch einen Defender bei der Reise zu sehen, doch der erwies sich als G-Modell. Jörg hat gar keinen Defender! Da waren noch Horst mit seinem G, Eduard mit seinem G-Pur, Heinz und Elke, sowie Stefan, Max und Pascal im Buschtaxi und unserer Reiseleiter Knut mit seiner Military Police. So sind schnell die Hände geschüttelt und die Namen nicht gleich gemerkt. Ein bisschen Smalltalk und eine Runde Wodka, dann hieß es auch schon schlafen gehen. Die zweite Nacht für uns im Dachzelt – ein toller Schlafplatz.

Am nächsten Morgen nach einem kleinen Frühstück ging die Reise weiter in Richtung Rumänien. Das erste mal in Kolonne mit so vielen gleichgesinnten Fahrzeugen, ist einfach ein tolles Gefühl. Auch in Ungarn ging es weiter über die Autobahnen. Knut dachte sich er lockert das Ganze mal mit einer Durchfahrt durch das Zentrum von Budapest auf. Wollte er zwar nicht, kam aber so. Es war gar nicht so einfach sieben Fahrzeuge gleichzeitig durch den Stadtverkehr zu schleusen.

Angekommen an der Rumänischen Grenze schlossen sich noch Micha und Martin im Pajero uns an. Erstes Ziel in Rumänien – Geldautomat. Ein doch schwieriges Unterfangen. Nicht jeder Geldautomat hat Geld im Automat. Erst an der vierten Anlaufstelle direkt in Satu Mare konnten alle so einigermaßen mit Bargeld versorgt werden. Vorsorglich sollte jeder so 1600 Lei (ca. 400€) sich beschaffen, weil Tankstellen oft nur Bares nehmen. Am Ende kamen wir mit der Hälfte aus. Auch in Rumänien gibt es Tankstellen mit Kartenzahlung. Noch einmal Volltanken für alle, rumänische Vignette besorgen und ein paar Dörfer weiter ging es auch schon ab ins Gelände. Aber nur ganz kurz zum Übernachtungsplatz. Nachdem sich jeder platziert hat und genug Holz für das allabendliche Lagerfeuer gesucht war, gab es Thüringer Bratwürste für alle. Die Nacht war hell (Vollmond) kühl und feucht (Bach).

Frühmorgens das kleine Frühstück und das wie sich erweisen sollte tägliche Ritual des Wartens auf Team Stefan, Max, Pascal. Nichts für ungut – es war einfach zu putzig. Abfahrt und schon biegen alle ab über einen Bach, wo doch der Weg geradeaus ging und viel besser war. Erst später hab ich verstanden, dass es beim Offroad fahren nicht um die komfortabelste Strecke im Gelände geht. So haben wir uns das erst mal bei den anderen angeschaut und uns gefragt, warum tun die so was. Später haben wir es gewusst – weil es verdammt nochmal total viel Spaß macht. So ging es den ganzen Tag über Stock und Stein. Aufgrund des regenfreien Superwetters gab es für uns keine weiteren Herausforderungen an diesem Tag. Am Abend kurz vor dem nächsten Rastplatz habe ich leider die erste Schlammfahrt ausgelassen. Wie gesagt – wir wussten es nicht besser.

Nach den ersten aufregenden zwei Tagen verblassen leider schon die genauen Erinnerungen, zumindest bei mir.

So ging es die nächsten Tage immer (wie sollte es auch anders sein) durch das Gelände an Holzfällern und –sammlern vorbei, durch die nostalgischen Dörfer, die einen denken lassen, man ist ins 19.Jahrhundert zurückgekehrt, Besuch von kleinen Kirchen, entlang der ukrainischen Grenze, durch Bauernhöfe, immer wieder kurze Stops und Pausen zum Landschaft gucken und Käffchen machen, Süßigkeiten verteilen, hoch und runter durch die Wälder, durch kleine Schneefelder, Besuch des angepriesenen durch Zimmermannsmeisterleistungen auffallendes Klostergelände, durch teilweise unpassierbare Waldstücke, welche zur Weiterfahrt erst umgeforstet werden mussten und… …wir finden heraus, was unser Wagen kann und trauen uns auch immer mehr zu. Es wird nichts mehr ausgelassen. Was die anderen machen, können wir auch!

Nach vier Tagen so hin und her, hat unsere Reiseleitung beschlossen, dass uns wohl ein frisches Bad und eine feste Unterkunft ganz gut tun könnte. So landeten wir in Turda bei unserem absolut fabelhaften Pensionsleuten Melinda und Bela. Soviel Gastfreundlichkeit hat für uns schon Ausnahmecharakter. Man bewirtete uns vorzüglich mit köstlicher Hausmannskost. Interessanter Weise wohnt die Tochter von den Beiden in Jena (meiner Heimatstadt) und ein Photo verriet mir, dass wir die gleichen Freunde kennen. Die Welt ist dann doch einfach noch zu klein.

…will be continued…

 

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